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Neues Format, neuer Schwung für die Hauswirtschaft: Über 470 Teilnehmer*innen trafen sich vom 25. bis 27. Februar 2021 (und auf der Verlängerung bis 7. März 2021) virtuell auf der INTERHYGIENICA. Namhafte Referent*innen und Aussteller präsentierten auf dem virtuellen rhw-Symposium eine Vielzahl aktueller Hygiene-Themen.

Die Interhygienica 2021 richtete sich drei Tage lang an Fach- und Führungskräfte der Hauswirtschaft und widmete sich gezielt den Themen Hygiene, Reinigung und Verpflegung. Eröffnet wurde das virtuelle rhw-Symposium mit Musik vom Berliner Rapper und Gastrosophen Paul Denkhaus sowie von Martina Feulner, die nur wenige Stunden zuvor eine neue Arbeitshilfe der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft veröffentlicht hatte (siehe Kasten).

Die jeweils einstündigen Online-Seminare wurden von Expert*innen der Hauswirtschafts-Branche bestritten, unter anderem von Carola Reiner (CCR), Andreas Carl, Prof. Dr. Benjamin Eilts, Dr. Dieter Bödeker, Mareike Reis, Sascha Kühnau und Reinigungsexperte Martin Lutz (FIGR).

Carola Reiner zeigte in ihrem Vortrag, wie betriebliche Eigenkontrollen vom zahnlosen Papiertiger zum zupackendem Praxislöwen werden können, Sascha Kühnau vermittelte, wie das soziale Miteinander auch bei Corona gefördert werden kann. Mareike Reis stellte die Lage der Hotellerie und deren Hygiene-Konzepte näher vor und Martin Lutz faszinierte von Beginn mit seinen aktuellen Trends und Produkten aus der Reinigungsbranche. Wer nicht dabei sein konnte: Videoaufzeichnungen dieser rhw-Online-Seminare und zehn weitere Videos früherer rhw-Online-Seminare können auch weiterhin bei der VNM Akademie noch gebucht werden.

Tiere im Heim – ein klares Ja!

„Von Tieren und Menschen – richtige Haltung im Heim“ war der Vortrag von Dr. med. vet. Dieter Bödeker am 25. Februar 2021 überschrieben. Und er muss es wissen, denn schließlich ist Dieter Bödeker nicht nur Hygieneberater für Einrichtungen des Gesundheitswesens, sondern praktiziert zudem auch als Tierarzt. Zunächst sollten die normativen Vorgaben in den Blick genommen werden. Gibt es ein Tierverbot im Heim? „Ja, das gibt es und zwar im Küchenbereich. Für sonstige Bereiche in einer Einrichtung jedoch nicht. Die Haltung von Tieren sollte jedoch im Hygieneplan aufgenommen werden.“ Auch die Biostoff-Verordnung sowie die TRBA 250 spielen laut dem Referenten in Sachen Tierhaltung eine Rolle. Ebenso findet man in der RKI-Empfehlung „Infektionsprävention in Heimen“ ein Kapitel über Tierhaltung.

„Von scheinbar harmlosen Zoonosen wie beispielsweise Hautpilzerkrankungen, also Mykosen, geht die größte Gefahr aus“, so Dr. Bödeker. Denn Erkrankungen beispielsweise durch Microsporum canis kann man beim Tier nicht gut erkennen. Der auf der Haut vorkommende Pilz kann aber besonders bei Menschen mit schlechtem Immunsystem Erkrankungen auslösen. Beim Verdacht auf Hautmykosen beim Tier sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden, das gilt auch beim Verdacht auf Flöhe, Zecken, Läuse und Milben.

In den Hygieneplan einer Einrichtung gehören laut Dr. Bödeker:

– Auflistung der Tiere und der zuständigen Mitarbeitenden,
– Maßnahmenplan bei der Anschaffung (zum Beispiel Gesundheitszeugnis vom Tierarzt, Impfungen),
– Dokumentation (zum Beispiel jährliche Untersuchung des Kotes auf Endoparasiten, vierteljährliche Entwurmung, engmaschige Untersuchung auf Hautkrankheiten, jährliche Routineuntersuchung beim Tierarzt).

Aktuelles zur Schutzkleidung

„Aktuelles zu Testverfahren und Schutzkleidung in der Hauswirtschaft“ war der Titel des zweiten Vortrags von Dr. Bödecker an diesem Tag. Zum Thema Testverfahren gibt es einen ausführlichen Artikel zu den PoC-Antigen-Schnelltests mit dem Titel „Schnell gemacht, Interpretation jedoch komplex“ in rhw praxis 4/2020 „Neue Wohnformen und Hygiene“ (Einzelhefte zu bestellen unter www.fachbuchdirekt.de).

Zum Thema Schutzkleidung wies der Referent darauf hin, dass eine Mehrfachverwendung von FFP-2-Masken nur im privathäuslichen Bereich möglich ist. Ganz anders sieht es jedoch im professionell-gewerblichen Bereich aus, hier sind diese Masken nur für den Zeitraum einer Arbeitsschicht verwendbar. Da es häufig zu Unsicherheiten kommt, stellte der Referent klar, welche Maske einen Eigen- und/oder Fremdschutz bedeutet:

– Mund-Nasen-Bedeckung: Fremdschutz
– Mund-Nasen-Schutz: Fremdschutz
– FFP-2-Maske: Fremd- und Eigenschutz
– FFP-2-Maske mit Ausatemventil: Eigenschutz
– Schutzbrille oder Gesichtsschild: Eigenschutz

Außerdem informierte Dr. Bödeker über ein wichtiges aktuelles Pflegeheimurteil. Demnach muss die von Pflegekräften in einem Heim getragene Arbeitskleidung auch als Schutzkleidung angesehen werden, sobald mit einer Kontamination mit Biostoffen gerechnet werden muss. Der Heimbetreiber muss diese dann reinigen und von anderer Kleidung getrennt aufbewahren (Urteil des VGH Baden-Württemberg Az: 6 S 1589/18).

Im anschließenden virtuellen Lagerfeuer diskutierte rhw-Chefredakteur Robert Baumann gemeinsam mit Dr. Bödeker sowie Prof. Dr. Benjamin Eilts von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen über aktuelle Hygiene-Themen.

 

Beim virtuellen Lagerfeuer wurde mit sechs der Referent*Innen entspannt über die Vorträge weiter diskutiert.

Pro Hygiene und Luftreinigung

Die Firma Miele Professional war nicht nur Aussteller auf der Interhygienica, sondern präsentierte am Freitag auch zwei spannende Vorträge vor jeweils über 80 Zuhörer*innen. Dipl. Ing. (FH) Antoinette Stritzke referierte zunächst zur professionellen und hygienischen Wäscheaufbereitung.

Warum sollte man in Einrichtungen gewerbliche Maschinen einsetzen? Professionelle Wäschereitechnik zeichnet einmal aus, dass sie maschinenrichtlinienkonform ist, außerdem bietet sie robuste Technik, auch wenn fünf bis sechs Mal am Tag gewaschen wird oder im 3-Schicht-Betrieb. Kurze Laufzeiten bieten mehr Wirtschaftlichkeit, es steht umfangreiches Zubehör wie Spitzenlastmodule oder Flüssigdosierung zur Verfügung sowie abgestimmte Verfahren für jede Anwendung.

Dr. Ulrike Weber von Miele Professional stellte ein neues Thema vor, mit dem sich das Unternehmen derzeit beschäftigt: die Luftreinigung. Als Haushaltsgeräte werden Luftreiniger derzeit zunehmend populär. Generell sind sie eine Maßnahme von vielen im Rahmen des Infektionsschutzes. So sind Abstandsregeln, Maske tragen und Lüften auch bei Einsatz von Luftreinigern noch wichtig.

Bei einem Luftreiniger wird die Luft nicht ausgetauscht, sondern angesaugt, durch Filter geleitet und wieder an den Raum abgegeben. Auch Pollen und Feinstaub werden gefiltert. Allerdings reichert sich ausgeatmetes CO2 an und auch eine Tröpfcheninfektion kann nicht verhindert werden. Wichtig ist, dass der Luftreiniger auf die Raumgröße abgestimmt ist, damit er eine hohe Effektivität hat. „Empfohlen wird, dass die Luft sechs Mal pro Stunde umgewälzt wird“, erklärt Dr. Weber.

Auch der Aussteller Electrolux Professional erreichte mit Referent Jan-Peter Elsebach und seinem Thema Wäscheygiene und Planung von Wäschereien über 80 interessierte Zuhörer*innen, wie eine Lehrkraft an einer Schule für Ernährungs- und Versorgungsmanagement bestätigt: „Ihr Vortrag war eine vorzügliche Zusammenschau über hygienische Wäscheversorgung!“

Plädoyer für die Trockenreinigung

Ein weiteres topaktuelles Thema erwartete die Teilnehmer*innen im Anschluss: der Reinigungsberater Andreas Carl hielt ein Plädoyer für die Trockenreinigung, ebenso wie Interhygienica-Referent Martin Lutz vom FIGR Metzingen. „Früher wurde oft trocken gemoppt, auch im professionellen Bereich, das ist heute nur gerade nicht modern“, so Andreas Carl. Diese Art der Reinigung und Hygiene schließen sich nicht aus, allerdings sollte für jeden Raum ein frisches staubbindendes Tuch/Mopp genutzt werden.
Die staubbinde Reinigung eignet sich überall dort, wo keine oder nur wenig haftende Verschmutzungen vorhanden sind und zwar auch im Krankenhaus und im Altenheim (ohne Fußbodendesinfektion, nicht im Dementenbereich) sowie in Büros oder in Hotels.
In der Reinigungswirkung unübertroffen ist laut Carl der Mikrofasermopp. „Durch die feine Struktur kann er den Staub in den Zwischenräumen der Faser gut aufnehmen, besonders im trockenen Zustand. Auch Chemieüberschuss und Fette werden zu großen Teilen aufgenommen.“

Stellt sich die Frage, was ist mit Flecken? Mit einem doppelseitigen Mopp oder Trailer-Mopp lassen sich sowohl trockenwischen als auch mit der zweiten Seite mit Hilfe der Sprayreinigung Flecken entfernen.

Auch für Oberflächen ist die Trockenreinigung laut Carl geeignet, so gelangt man zum Beispiel mit einem Teddy-Handschuh (siehe auch Seite 31) sehr gut in Zwischenräume und nimmt viel Staub aus Ecken und Kanten auf. Flecken werden eingesprüht, der Handschuh umgedreht und mit der zweiten Seite abgewischt. Weitere Einsatzmöglichkeiten der Trockenreinigung sind die Bauendreinigung (nach dem Saugen und vor dem Nasswischen), die Treppenhausreinigung (anstatt dem Vorkehren) sowie die Jalousien-Reinigung.

Zu Gast bei zwei Vorträgen und beim gemeinsamen Lagerfeuer: Mareike Reis von der MR Housekeeping Akademie Lauchringen und Martin Lutz, Geschäftsführer des FIGR Metzingen.

 

Eigenkontrollen – was muss, was kann?

Im Mittelpunkt des nächsten Vortrags der Unternehmensberaterin Carola Reiner stand das Thema „Betriebliche Eigenkontrollen – was kann, was darf, was muss?“ Ganz klar ein Muss ist das HACCP-Konzept. „Es ist durchaus ein sehr sinnvolles Konzept. Es hat sich jedoch in vielen Einrichtungen leergelaufen und ist leider zu einem zahnlosen Papiertiger geworden“, so die Referentin. Und: Das HACCP-Konzept muss auf der Basis-Hygiene aufbauen, sonst ist es sinnlos. „Haben Sie die Basishygieneregeln verschriftlicht? Schauen Sie nach, ob etwas Aktuelles dazu da ist. Wann haben Sie ihre Mitarbeitenden das letzte Mal dazu geschult?“

Immer häufiger taucht im Zusammenhang mit HACCP der Begriff PRP (prerequisite programs = präventive Maßnahmen) auf. Diese umfassen zwölf Punkte wie Reinigung und Desinfektion, Schädlingskontrolle oder Umgang mit Abfällen. „Alle diese Punkte kann man der guten Hygienepraxis oder der guten Herstellungspraxis zuordnen. Es ist also nichts Neues, nur eine andere Art der Darstellung“, erklärt Carola Reiner.

Ein weiteres Eigenkontrollsystem ist RABC (Risk Analysis and Biocontamination Control) nach DIN EN 14065. Dies ist ein System zur Hygienesicherung in der Wäscherei mit genau derselben Vorgehensweise wie beim HACCP-Konzept.

Im anschließenden virtuellen Lagerfeuer mit Carola Reiner und Sascha Kühnau wurde noch einmal deutlich, dass die Einrichtungen, die ein gelebtes Qualitätsmanagementsystem haben, nur wenig Probleme mit der Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen durch die Pandemie haben. Ein verstaubter QM-Ordner im Schrank nützt dagegen nichts…

Toilettensitz fast schon steril…

Am Samstagmorgen traf sich eine große Community auf der Interhygienica zum Thema „Update Corona und Hygiene“, präsentiert von Prof. Dr. Benjamin Eilts von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Er stellte eine eigene Studie aus dem Jahr 2018 vor, bei dem 119 Hotels in Europa hinsichtlich der Hygiene getestet wurden, dabei wurden 3500 Abklatschproben gezogen. Überall wurde normal gereinigt und nicht desinfiziert und herausgefunden werden sollte, wo kritische Stellen sind.

Ergebnis: der Toilettensitz war immer fast schon steril, auch Türgriffe oder Lichtschalter wiesen sehr geringe Keimzahlen auf. In der Nasszelle hatte der Föhn die höchste Keimzahl. Aber am schlimmsten war die Fernbedienung. „Sie wird wohl bei der Reinigung völlig außer Acht gelassen“, so Prof. Dr. Eilts.

Generell kann man sagen, dass die Reinigung mit einem normalen Mikrofasertuch (auch ohne antibakterielle Beschichtung) gute Ergebnisse bei der Reduktion von Viren bringt. Allerdings besteht die Gefahr der Partikelverschleppung. „Die Viren sind bei der Reinigung zwar entfernt worden von der Oberfläche, aber sie sitzen im Tuch, deshalb ist eine gute hygienische Aufbereitung der Tücher wichtig“, erklärt Prof. Dr. Eilts. Ebenso wichtig ist die Schulung der Mitarbeitenden in der Reinigung, nur wenn sie die kritischen Punkte kennen, stimmt am Schluss die Hygiene.

Das virtuelle Symposium der Hauswirtschaft mit allein 3.000 Besuchen der 470 Teilnehmer*innen bei den zwölf Programmen, 1.850 Aussteller-Visits und über 7.700 Page-Impressions war somit schon jetzt ein Höhepunkt der Hauswirtschaft im virtuellen Messe-Jahr 2021.

 

Quelle: rhw praxis | 1/2021 | März 2021 | 18. Jahrgang
Autorin: Alexandra Höß/RoB